Die Entmachtung der Familie schreitet voran, das große Ganze – die Verantwortung für die Kindererziehung – gerät aus dem Blick. Wenn das Private politisch ist, was ist dann noch privat?

Norbert Blüm hat es wieder getan. In deutlichen Worten beschreibt er – wieder einmal – in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ den realen Status quo der Familienpolitik, mit der ernüchternden Bilanz: Es geht nur noch rein um den Arbeitsmarkt, in den sich die deutschen Eltern gefälligst einzufügen haben. Männer und Frauen sollen zunächst gemeinsam unter das Joch der Arbeit gezwungen, um dann kollektiv davon befreit zu werden. Alles sozialistische Romantik. In Wahrheit ist es jedoch staatliche Lenkung. Schade nur, dass Norbert „die Rente ist sicher“ Blüm diese deutlichen Worte nicht schon während seiner aktiven Zeit als Politiker gefunden hat. Denn jetzt hat er nichts mehr zu sagen, bleibt Stachel im Fleisch einer CDU-Familienpolitik, die er einst hätte mitgestalten können und die heute ihren Namen kaum mehr verdient. Da hilft es nun auch nichts mehr, dass er sich in einem Seitenhieb gegen die modernen Vorstellungen à la von der Leyen wendet, wie Familie heute angeblich zu bewältigen ist. Time is running out. (weiterlesen…)

Der Familienknick

18. Oktober 2012

Das Gerede vom Karriereknick durch Kinder offenbart einen fatalen Prioritätenwechsel in der Gesellschaft. Tatsächlich ist unser größtes Problem der Verlust der Familie.

Ja, wir haben wieder eine Studie, wie es um den Nachwuchs, oder besser gesagt um dessen Ausbleiben in deutschen Familien so steht. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat zusammen mit Schweizer und Österreicher Kollegen geforscht. Die gute Nachricht ist: Wir sind noch nicht ausgestorben. Die schlechte: Wir sind nach wie vor auf dem Weg dorthin. Günter Stock, Präsident der BBAW, gibt derzeit fleißig Interviews, denn natürlich hat man auch Empfehlungen, was zu tun sei. Die 08/15-Lösung ist selbstverständlich auch mit dabei: mehr Kinderbetreuungsplätze, mehr Ganztagsbetreuung. Und ganz neu: mehr künstliche Befruchtung. An einer Formulierung bleibe ich hängen, wie an einem Déjà-vu: Eltern wollten doch am “„gesellschaftlichen Leben teilhaben“:http://www.welt.de/wissenschaft/article109850347/Warum-die-Geburtenrate-in-Deutschland-niedrig-ist.html, deswegen brauchen wir also die Rundumbetreuung für den Nachwuchs. Stock fordert entsprechend längere Öffnungszeiten von Kitas bis in die Abendstunden, „damit Eltern auch abends am sozialen Leben teilhaben können“. Nicht nur tagsüber im Beruf auch abends noch: Teilhaben liebe Eltern, fleißig teilhaben! (weiterlesen…)

Das größte Problem in der Vereinbarkeitsdebatte von Familie und Beruf ist: Es lässt sich in der Regel gar nicht vereinbaren. Was sich verbal so schön anhört, ist in Wirklichkeit ein ständiges Ausbalancieren, Abwägen und Prioritätensetzen. Es lässt sich addieren – was zumindest eine realistische Betrachtungsweise wäre – aber vereinbaren heißt nichts anderes, als dass wir Kinder bekommen, um dann im Erwerbsleben so zu tun, als hätten wir keine. Dann erst ist nach modernem Verständnis die Vereinbarung perfekt gelungen. Wenn Kinder die Arbeitsprozesse nicht mehr stören, wenn Beruf abseits von Kindern möglich ist.

Ich wollte noch nie etwas vereinbaren, ich wollte einfach beides – aber nicht zwangsläufig immer gleichzeitig. Darin liegt heute das Problem. Denn wie vereinbare ich bitte schön ein weinendes Baby mit einer Schaltkonferenz? Richtig: Gar nicht. Entweder oder. Und so gilt Vereinbarkeit eben dann als perfekt, wenn für die Betreuung der Kinder irgendwie gesorgt ist. Egal wie. (weiterlesen…)

Einstiegsdroge Pink

4. Oktober 2012

Ein Fahrradhelm von Lillifee, eine pinke Trinkflasche oder gar eine Barbie-Puppe – was Sie als Eltern unbedingt über mädchengefährdende Produkte wissen sollten.

Besten Dank an das feministische Marktüberwachungsorgan „Emma“, jetzt wissen wir es endlich schwarz auf weiß: Pink macht Mädchen dümmer. Ich schäme mich gerade schon ganz doll, weil unsere jüngste Tochter zum vierten Geburtstag ein neues Lieblingskuscheltier bekommen hat: ein Plüscheinhorn mit pinkem Sattel und Glitzermähne. Hätte ich doch vorher gewusst, dass die Kleine dadurch verblödet, nun haben wir den Schund im Haus und ich weiß: Sie ist nicht mehr zu retten.

Der Einstieg in ein vermasseltes Frauenleben hat seinen Lauf genommen. Sie wird womöglich später am Herd stehen, heiraten und vielleicht genauso reaktionäre Dinge tun wie ihre Mutter und viele Kinder kriegen. Ja, wir könnten ihr das Einhorn nachts im Schlaf entreißen und auf einem feministischen Scheiterhaufen verbrennen, gemeinsam mit der Lillifee-Kindergartentasche, den Barbie-Puppen, die sie von ihrer großen Schwester geerbt hat, dem pinken Helm mit der Krone drauf, all ihren Lieblingskleidern, den Schleifenspangen und der Hello-Kitty-Kakaotasse. Kitty, auch eine dieser Einstiegsdrogen für kleine Mädchen.

Das Ü-Ei ist nur der i-Punkt auf einer ganzen Liste von sexistischen Artikeln

Die Firma Ferrero hat auf den pinken Wahnsinn jetzt noch einen drauf gesetzt und das bei Kindern beliebte und bei an überfüllten Kassen wartenden Eltern verhasste Kinder-Überraschungsei in einer Mädchenversion auf den Markt geworfen.

Es ist pink, außen sind diese seltsamen Lolita-Hexen aus der TV-Serie „WinX-Club“ drauf und drinnen garantiert nur Dinge, die Mädchen gefallen. Spontan kommt mir der Gedanke: Da weiß man wenigstens, was man kriegt. Wie oft sehen wir enttäuschte Kinderaugen, weil wir uns zu dem sinnlos teuren Kram haben weichklopfen lassen und dann ist nur eine blöde Flugmaschine zum Zusammenbasteln drin, die garantiert nicht fliegt.

Aber halt! So einfach ist das nicht. Wir sprechen hier schließlich über mädchengefährdende Produkte. Sexismus im Kinderzimmer! Schließlich ist das Ü-Ei nur der i-Punkt auf einer ganzen Liste von sexistischen Artikeln, die der Markt in seiner Gier unseren Mädchen zum Fraß vorwirft. Zwar haben die gleichen Feministinnen jahrelang gefordert, dass Lego und Playmobil endlich mehr Mädchenfiguren produzieren sollen, aber so war das nicht gemeint! Lego hat inzwischen pinke Bauklötze und die Lego-Friends, eine Mädchenclique mit pinkem Pony-Stall und Hundesalon. Playmobil hat das Zauberfeenland im Einhorn(sic!)-Köfferchen, bei Duplo findet sich Dinge wie das Cinderella-Schloss und Dornröschen im Turmgemach (ja, die wartet wirklich noch auf den Prinzen) und von Lillifee, diesem „charakterlosen“ Ding wollen wir gar nicht erst anfangen. (weiterlesen…)

Rolle rückwärts

4. Oktober 2012

Der Vorschlag der Großelternzeit von Kristina Schröder ist auf den ersten Blick so entwaffnend sympathisch, dass man leider erst auf den zweiten Blick sieht, wohin es führt: Noch weniger Zeit für die eigenen Kinder, noch mehr Altersarmut.

Ja, wer kann denn schon was dagegen haben, dass Großeltern sich um die Enkelkinder kümmern? Eine Oma, die immer Zeit hat, die Kuchen backt und von früher erzählt. Opa spielt Schach und bringt den Kindern das Angeln bei. Oma liest Bücher und übt Vokabeln. Das müssen die blühenden Landschaften in den Gärten der Mehrgenerationenhäuser sein. Man sieht förmlich vor sich, wie das ganze Dorf, das in Afrika benötigt wird, ein Kind groß zu ziehen, jetzt auch in Deutschland Gestalt annimmt. Generationenübergreifende Solidarität und abends schreitet man Hand in Hand in den Sonnenuntergang. Kommen wir zur Realität.

Weniger Zeit für Familie

Im Familienbericht der Bundesregierung tauchte zu Beginn dieses Jahres erstmals der Vorschlag auf, dass die bisherige Elternzeit, die allen Eltern zusteht, um eine Großelternzeit ergänzt werden soll, damit zukünftig auch Oma und Opa auf die Enkel aufpassen können. Schon damals stellte sich die Frage nach dem Sinn, tun dies doch die allermeisten Großeltern, denen dies räumlich und finanziell möglich, sowieso schon. Warum also einen Anspruch schaffen für etwas, das sowieso geleistet wird? Noch ein paar Eulen nach Athen tragen? In der Betreuungsgelddebatte wird genau dieser Tatbestand immer als „Mitnahmeeffekt“ angeprangert. Was dort falsch ist, wird hier also plötzlich richtig? Für wen ist also dieser neue Anspruch gedacht? Und wer kann es sich leisten kurz vor dem Rentenalter dies überhaupt in Anspruch zu nehmen?

Es entbehrte übrigens schon im Familienbericht mit dem schönen Titel „Zeit für Familie“ einer inneren Logik: Die Expertenrunde hatte herausgefunden, dass sich Eltern vor allem mehr Zeit für die Familie und die Kinder wünschen. Großelternzeit bedeutet aber nicht mehr Zeit der Eltern mit den Kindern, sondern mehr Zeit der Großeltern mit den Enkelkindern.  Mama und Papa wünschen sich also etwas – Oma und Opa bekommen es. Ja, das macht Sinn. (weiterlesen…)