302018Jul

Nutella ist Teufelszeug! Sagt die Antispaßbeauftragte.

Renate Künast will Werbung für Nutella verbieten, weil es Kindern schade – Werbung für Abtreibung aber erlauben, obwohl so Kinder getötet werden. Besser kann man grüne Doppelmoral nicht zusammenfassen.

Es muss hart sein, wenn man einst Verbraucherschutzministerin war und all die unerledigten Dinge, die man damals selbst nicht auf die Reihe bekam, jetzt nicht mehr über einen Ministeriumsapparat hinausblasen kann, sondern nur noch über schnöde Pressemitteilungen und soziale Netzwerke. Renate Künast, Antispaßbeauftrage der Grünen, hat wieder etwas gefunden, was lecker ist und/oder Spaß macht und deswegen verboten werden muss.

Rauchen hat sich erledigt. Vegetarische Zwangsbeglückung durch den nationalen Veggie-Day ist gescheitert, dazwischen versuchte man sich an Alkopops, dem Teufelszeug Zucker, den verkaufsoffenen Sonntagen, am Fleisch in Kitas, Limonade in Schulen, Süßigkeitenwerbung im Fernsehen, Motorrollern, der 1. Klasse bei der Bahn, und in NRW hatte man sich zu Regierungszeiten der Grünen gar die „fair gehandelten Grabsteine“ auf die Fahnen geschrieben. Sie verfolgen einen bis in den Tod.
Jetzt also unsere geliebte Nutella. Teufelszeug. Sag ich meinen Kindern seit 15 Jahren. Der ersten Tochter konnten wir noch bis zum dritten Lebensjahr verschweigen, dass es so etwas Leckeres überhaupt gibt. Kind vier taucht derweil gerne mit dem Finger rein, und jedes Mal gibt es Streit, wer den frisch gekauften Heiligen Gral öffnen darf, um als Erster sein Messer in das unberührte braune Gold zu tauchen.

Nun hat Renate Künast vorgerechnet, wie viel gesundheitsgefährdender Inhalt in 35 Gläsern Nutella stecken kann. Also die Menge, die bei uns etwa bis ins Frühjahr reicht. „15,75 Kilogramm Nuss-Nougat-Creme, neun Kilogramm Zucker, fünf Kilogramm Fett, 85.000 Kilokalorien und 97,65 Euro.“ Mon Dieu! Diabetes, Übergewicht! Am besten man meldet Eltern, die das einkaufen, direkt von der Supermarktkasse aus dem Jugendamt wegen Kindesmisshandlung durch Frühstück.

In ihrem Brief an den Deutschen Werberat beschwert sich Künast, dass der Hersteller Ferrero gezielt zur Fußball-WM Kinder mit Aktionen angesprochen habe und vermutet einen groben Verstoß gegen den Werbekodex für Werbung für Lebensmittel vor Kindern. Keine Werbung für Dinge, die Kindern schaden können! Da ist Frau Künast eisern, und nicht wenige werden ihr zustimmen.
Aber Moment mal – keine Werbung für Dinge, die für Kinder gesundheitliche Risiken bergen? Ist das die gleiche Abgeordnete Renate Künast, die ganz vorne mit dabei ist, in dem derzeit mit hohem politischen Druck vorangetriebenen Bestreben, das Werbeverbot für Abtreibung von Kindern nach Paragraf 219a endlich zu legalisieren?

Besser kann man die grüne Doppelmoral eigentlich kaum zusammenfassen: Werbung für Nutella verbieten, weil es Kindern schadet. Werbung für Abtreibung aber erlauben, obwohl es Kinder tötet. Ja, genau mein Humor.


Von Birgit Kelle

Der Artikel erschien erstmals in der “Welt” vom 19.07.2018




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