22017Mai

Offener Brief an den Familienausschuss des Bundestages

Ein offener Brief an alle Mitglieder des Ausschusses von Dr. Dorothea Böhm, stellv. Vorsitzende von Frau 2000plus. e.V:

Betr. 90. Sitzung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, am Mittwoch, dem 26. April 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte hiermit anregen, den TOP 1 der o.g. morgigen Sitzung („Entwurf eines Gesetzes zum weiteren quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung“) unter Einbeziehung wissenschaftlicher Fakten zu diskutieren. (Gesamte Tagesordnung hier unter dem Link:
(Gesetzentwurf hier unter dem Link)

Von den themenrelevanten Wissenschaftsstudien möchte ich hier nur zwei hervorheben: Sowohl durch die sog. NICHD-Studie (s.u.) als auch durch die sog. Quebec-Studie von Baker, Gruber und Milligan (s.u.) wurde gezeigt, dass je früher und länger U3-Kinder in Gruppenbetreuung sind, desto mehr individuelle und gesamtgesellschaftliche Negativeffekte (Lern- und Verhaltensproblem, psychische und körperliche Erkrankungen) treten auf. In der Quebec-Studie wurden sogar – meines Wissens erstmals – steuerlich-ökonomische Nachteile hochsubventionierter Frühkindbetreuungs sichtbar.

Im Hinblick auf eine echt kinder- und familienfreundliche Ausrichtung der Politik ist auch ein offener Brief Ihrer Kollegin Lena Kürscher, Grüne Kreis Göttingen, weiterhin aktuell und sei Ihnen hiermit herzlich empfohlen. Zu finden hier unter dem Link

Ich bitte Sie, Ihr Wissen über Wert und Risiken früher Gruppenbetreuung vor der diesbezüglichen ggf. auf den aktuellen Stand zu bringen und sich morgen gegen Ausbau und einseitige Subventionierung der U3-Tagesbetreuung auszusprechen.

Die bessere Alternative besteht in der Finanzgerechtigkeit für Eltern in Form finanzieller Gleichstellung mit Kinderlosen. Dies wäre z.B. durch ein angemessenes monatliches Kindergrundeinkommen (anstatt der Betreuungsubventionierung) zu erreichen.

Mit Dank und freundlichen Grüßen,

Dorothea Böhm

Quellen:
• NICHD Early Childcare Research Network (2006): Child Care E¬ffect Sizes for the NICHD Study of Early Child Care and Youth Development. American Psychologist 61, 99–116 (S.114)
• Jacob J (2009): The Socio-Emotional Eff¬ects of Non-Maternal Childcare on Children in the USA: A Critical Review of Recent Studies. Early Child Dev and Care, 179 (5), 559–70
• Vermeer HJ, van Ijzendoorn (2006): Children´s elevated cortisol levels at day-care: A review and meta-analysis. Early Childhood Research Quarterly 21, 390–401
• Bernard K et al. (2015): Examining Change in Cortisol Patterns During the 10-Week Transition to a New Child-Care Setting. Child Development 86, 456-71
• Baker M, Gruber J, Milligan K (2008): Universal Child Care, Maternal Labor Supply, and Family Well‐Being. Journal of Political Economy, 116, 709-45, dazu ebenso: Canada’s Universal Childcare Hurt Children and Families – „Children’s outcomes have worsened since the program was introduced along a variety of behavioral and health dimensions. “ http://www.nber.org/digest/jun06/w11832.html
Weitere Links:
• Mehr themenbezogene Studien und Originalartikel hier: http://www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de
• FRÜHKINDLICHER STRESS IN DER FREMDBETREUUNG – UND SEINE LANGFRISTIGEN FOLGEN http://www.fuerkinder.org/kinder-brauchen-bindung/experten-meinen/404-fruehkindlicher-stress-in-der-fremdbetreuung-und-seine-langfristigen-folgen
• Studienbericht Zeitungsartikel: Stress in der Krippe http://www.fr-online.de/wissenschaft/studie-stress-in-der-krippe,1472788,4712362.html
• Lena Kürschner: Offener Brief zur grünen Familienpolitik: http://www.gemeindezeitung.de/cms/core/index.php/kolumnen-a-kommentare-gz-themen-24/1354-gz-20-2013/2577-lena-khner-offener-brief-zurgr-familienpolitik




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