252015Mrz

Brief einer 24-jährigen Studentin

Liebe Frau Kelle,
ich, 24-jährige Studentin, verheiratet („Du kannst dich doch so jung nicht schon binden wollen!?“) war so beeindruckt von Ihrer Argumentation bei hartaberfair, dass ich sogleich Ihre Bücher bestellt und gelesen habe. Auch ich kann zweifellos feststellen: „Sie sprechen mir aus der Seele!“. Die Tatsache, dass man sich als Frau gerade in akademischen Kreisen permanent rechtfertigen muss, wenn man bereit ist, Karriere gegenüber dem Privaten hinten anzustellen, ist kaum mehr zu ertragen, zudem fühlt man sich permanent daran erinnert, wie viele Talente und Kompetenzen man doch „wegwirft“ wenn man sie nicht auch in Lohn und Brot bringt. Ich selbst würde mich durchaus als emanzipiert bezeichnen, habe die akademische Laufbahn eingeschlagen, sogar lange Zeit Boxen (ganz im Sinne des Feminismus) auf Leistungssportniveau betrieben und kann daher den Vorwurf entkräften, ich sei ein kleines, wehrloses Püppchen. Dennoch fordere ich das Recht für mich ein, für meinen Mann zu kochen, ohne das mit mitleidigem Augenrollen anderen quittiert zu bekommen. Ich bin angesichts tausender Krisenherde in dieser Welt entsetzt darüber, mit welcher Verbissenheit Frauen wie Anne Wizorek sich einer Luxusdiskussion zu Unisextoiletten oder weiblichen Wortendungen widmen und so versuchen weibliches Selbstbewusstsein zu generieren. Zu Herrn Hofreiter, der sich scheinbar sehr für sein Mannsein schämt, fehlen mir gänzlich die Worte. Besonders beeindruckend finde ich Ihre Aussage, dass der Feminismus zwar suggeriert, er würde den Frauen die Möglichkeit zur eigenen Entscheidung bieten, andererseits nur den einen, eigenen Lebensentwurf toleriert und alles, was darüber hinausgeht, verurteilt. Tatsächlich kenne ich nämlich nur wenige bis keine Frauen in meinem Umfeld, die sich wirklich durch obengenannte „Missstände“ diskriminiert fühlen, stattdessen beschleicht mich immer mehr der Verdacht, diese Ideologie sei lediglich eine Debatte um eine gewisse Daseinberechtigung dieser Disziplin, die sich mit Biegen und Brechen durchsetzen möchte und eine gute Basis für politische oder universitäre Emporkömmlinge bietet. Hören Sie bitte nicht auf, so normal (und das ist absolut positiv gemeint) zu denken und schreiben, wie sie es tun, ohne dabei Männer als potentielles Feindbild auszurufen.
Hochachtungsvoll, Sarah B.




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