Tag: Schule

von Anke Fienbork

Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht rief am 19.04.2013 in der Talkshow 3 nach 9 die Bildungsrevolution aus. Als Mutter zweier Söhne, von denen einer schulpflichtig ist, rufe ich hiermit den Widerstand gegen diese Revolution aus. Mein älterer Sohn besucht mittlerweile die achte Klasse eines Hamburger Gymnasiums, das ich für eine gute Schule befinde! Die Grundschulzeit hingegen war eine absolute Katastrophe, und zwar aus dem Grund, weil gerade die Grundschule als Versuchslabor für sämtliche Bildungsreformen hinhalten musste, von denen meiner Meinung nach sämtliche gescheitert sind. Was Sie, Herr Precht in Ihrer Revolution fordern, beispielsweise Abschaffung der Noten, individuelles selbständiges Lernen und gemeinsame Projektarbeiten, hat sich in der Realität schon längst als nicht erfolgreicher herausgestellt, warum dann aus gescheiterten Reformen eine Revolution machen? Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie hat eine umfassende Bildungsstudie herausgegeben, in der er 15 Jahre geforscht hat, was guter Unterricht tatsächlich sei. Die Ergebnisse müssten Sie nachdenklich stimmen, denn er kommt zu dem Schluss, dass die Schule nicht besser wird, wenn man das System an sich ändert, sondern ein verbesserter Frontalunterricht käme gerade Kindern aus Nichtakademikerhaushalten zugute, zu denen im übrigen auch meine Kinder zählen! Herr Precht, Sie haben eine ideologische Vorstellung. Herr Hattie hat im Gegenzug fundierte Ergebnisse, mit denen man Bewährtes besser machen könnte.

Herr Precht, Sie stellen die These auf, dass gerade Kindern aus Nichtakademikerhaushalten geholfen wäre, wenn sich jede Schule zu einer Ganztagsschule wandeln würde, damit die Akademikerkinder keine Vorteile mehr gegenüber den Nichtakademikerkindern hätten, weil diese ja Unterstützung bei den Hausaufgeben bekämen, entweder durch eine Mutter, die es sich leisten kann, zu Hause zu sein, oder durch bezahlte Nachhilfe. Fakt ist, dass viele Kinder während der Grundschulzeit, also während der angeblich so spaßmachenden Zeit des individuellen Lernens, in eine äußerst unangenehme Situation kommen. Leider ist die ideologische Vorstellung dreißig Kinder individuell zu unterrichten praktisch schlichtweg nicht durchführbar. Es führt dazu, dass Arbeitsblätter ausgeteilt werden, die selbständig oder in Gruppenarbeit bearbeitet werden müssen. Schüler, die sich nicht selbständig das Lesen aneignen können, sind benachteiligt, da sie auch im Mathematikunterricht die Arbeitszettel sprachlich verstehen müssen. Das ist unterlassene Hilfeleistung seitens der Lehrer! Ist es nicht so, dass man mir als Mutter durch Ganztagsschulen und gewünschter Vollzeitbeschäftigung die Chance nimmt, diese unterlassene Hilfeleistung auszugleichen? Mein Sohn hat vom Frontalunterricht auf dem Gymnasium und meiner anfänglichen schulischen Unterstützung profitiert. Er ist ein guter Schüler auf dem Gymnasium und bringt gerade bei Projekten, die selbständig erarbeitet werden sollen, hervorragende Leistungen. Ja, Herr Precht sie hören richtig, es gibt Lehrer, die ihren Schülern auf einer normalen Schule tatsächlich erlauben selbständig zu denken. Was wäre passiert, wenn ich mich während der Grundschulzeit nur auf die Schule verlassen hätte? (weiterlesen…)

Widersprüche, überall!

8. April 2013
by Webmaster

von Anke Fienbork

Der Staat traut den Eltern nicht mehr zu, dass sie für sich und ihre Kinder Verantwortung übernehmen können. Gerade diejenigen, die sich über die „Gleichgültigkeit“ einiger Eltern mokieren, haben diese doch durch Maßregelungen ihrerseits versucht zu entmündigen. Wie kann der Staat einerseits die Eltern entmündigen und sich andererseits Verantwortung von ihnen wünschen? Das widerspricht sich doch! Oder anders gefragt: Warum werden Eltern, die gerne Verantwortung übernehmen würden nicht darin bestärkt? Das lässt nur einen Schluss zu: In Wahrheit ist es gar nicht erwünscht, dass die Verantwortung bei den Eltern liegt.

Warum werden Erziehung, Wissen um Ernährung und selbst so scheinbar unwichtige Dinge wie Familienkochrezepte heutzutage nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben? Das traditionelle Wissen geht verloren. Die Werbung suggeriert, dass wir uns frei fühlen, wenn wir literweise Coca Cola trinken oder Fast Food zu uns nehmen. Doch gerade diese Freiheit führt nicht selten dazu, dass wir von einer professionellen Ernährungsberaterin individuelle Essenspläne erstellt bekommen, weil unser Körper sich vor lauter Freiheitsliebe zu stark ausgedehnt hat. Hierbei kommt wieder der Staat ins Spiel. Er fühlt sich verpflichtet einzugreifen, um dieses fast verlorene Wissen den Kindern in der Ganztagsschule zu vermitteln. Das widerspricht sich doch! Denn somit ist entschieden, dass sich dieses Wissen vollständig verflüchtigen wird. Vielmehr müssen die Familien wieder die Möglichkeit bekommen, ihr Wissen weiterzugeben. Die Familienpolitik müsste ihnen hierbei eine Hilfe sein. (weiterlesen…)

Denn wir wissen nicht, was wir tun…

5. März 2013
by Webmaster

von Anke Fienbork

Bevor Kinder heutzutage eingeschult werden, haben sie schon einen jahrelangen Prüfungsmarathon hinter sich. Es wird überprüft, ob sie „richtige Kinder sein dürfen.“ Von Sprachtests über kreative Strichmännchenmalereien bis hin zu phantasievollen Knetfigurtierchen wird alles Hergestellte in Akten dokumentiert. Selbstverständlich ist therapeutische Unterstützung im Bedarfsfall sofort verfügbar. Nein, der Staat lässt wirklich nicht locker, bevor er weiß, dass in seiner Verantwortung kein Kind zurückgelassen wurde. Mit Kontrolle hätte dies angeblich nichts zu tun. Irgendwie hört sich das trotzdem nicht beruhigend an. Ist man schließlich mit seinem Kind in der Grundschulzeit angelangt, wird man mit ständig neuen Schulreformen konfrontiert. Kinder aus sozial benachteiligten Familien werden bei gleicher Leistung oftmals schlechter benotet, als Kinder aus Akademikerhaushalten. Was kann man dagegen tun? Ein wichtiger Reformaspekt solle die Abschaffung der Noten sein, die angeblich nichts Genaues über einen Schüler aussagen würden. Gleichzeitig lassen wir die Kinder aber an internen Schulumfragen teilnehmen, die beispielsweise abfragen, wie viele Bücher bei ihnen zu Hause zu finden wären und rücken somit die Herkunft der Kinder weiter in den Fokus. Jedes Kind solle doch schließlich nach seinen individuellen Möglichkeiten lernen. Wird es hiermit gerechter? Wohl eher nicht! Anstelle der Vergabe von Noten haben die Lehrer nun die Möglichkeit aufgrund sogenannter Kompetenztests individuelle Lernpläne für das einzelne Kind zu erstellen und können somit sogar bestimmen, was ein Kind lernen dürfe. Traut ihm der Lehrer beispielsweise aufgrund seiner Herkunft weniger zu, wird dem Kind dadurch Bildung vorenthalten.

Wie sinnvoll und aussagekräftig sind Kompetenztests? Glaubt man den Politikern könnte man den Eindruck gewinnen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien automatisch therapeutische Hilfen in Anspruch nehmen müssten oder einen ausgeprägten Mangel an sozialen Kompetenzen hätten. Die Politik predigt die Krippe für Einjährige als wichtigen Bestandteil der Bildungspolitik und das Leben der Großeltern im Altersheim mit der heutigen gewünschten Vollzeitbeschäftigungssituation als Selbstverständlichkeit. Soziale Kompetenzen lernt man aber nun einmal hauptsächlich in Familien und durch Freunde und eben nicht als auswendig gelernte Verhaltensweisen in Kindergarten und Schule. Weshalb der Begriff „sozial benachteiligte Familien“ eben auch nicht der Wirklichkeit entspricht! (weiterlesen…)

Bei seiner Einführung in den 60er-Jahren galt der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen als geschlechtergerechte Errungenschaft. Nun fordern die Grünen: Kommando zurück!

Mehr und länger gemeinsam lernen ist das Schlagwort der Stunde. Integrativer Unterricht, längere Grundschule, bevor auf weiterführende Schulen aufgeteilt wird, gemeinsamer Unterricht für 1. und 2. Klasse, mehr Gesamtschulen. Der eine soll vom anderen lernen. Stärkere sollen Schwächeren helfen. Kinder mit Behinderungen sollen gemeinsam mit allen anderen Kindern in einer Klasse sitzen, damit soll das soziale Miteinander gestärkt werden. Doch wenn es um die Geschlechter geht, gilt wieder Kommando zurück, Mädchen und Jungen wieder trennen. Es ist ein Widerspruch zu all den neuen Schulkonzepten, die gerade von Grünen und SPD gefordert werden und explizit darauf abzielen, Schüler in ihrer Schullaufbahn möglichst nicht zu separieren. Die darauf abzielen, unterschiedliche Leistungsniveaus in einer gemeinsamen Klasse zu beschulen. Wo das Migrantenmädchen neben dem Professorensohn sitzt, wo soziale Hintergründe nivelliert und das soziale Miteinander gestärkt werden sollen. Multikulti bis in die hinterste Bankreihe – aber beim Geschlecht hört die Gemeinsamkeit als Königsweg auf. Wie passt das zusammen, wenn man die Gleichheit der Geschlechter propagiert, dann aber ausgerechnet eine Trennung nach Geschlecht in der Schule fordert? (weiterlesen…)

Albert Einstein hatte es schon früh erkannt: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“
Es ist schwer, als schwarzes Schaf in einer Gruppe zu bestehen oder gar als Wolf. Zu groß ist oft der Zwang, sich seiner eigenen „Herde“ zu beugen. Man will dazu gehören, anerkannt und ein Teil der Gemeinschaft sein. Schon als Erwachsener ist es nicht leicht, doch wie Forscher gerade herausfanden, stehen schon kleinste Kinder unter dem gleichen Druck, den wir als Erwachsene täglich spüren im Privatleben, bei der Arbeit und in der Öffentlichkeit.
Schon Vierjährige beugen sich der Meinung der Gruppe – auch wenn sie sicher wissen, dass die anderen im Unrecht sind. Bereits in diesem jungen Alter passen sie sich – offenbar aus Scheu vor Konflikten – der Meinung anderer an, wenn sie mit der Wahrheit alleine da stehen. (weiterlesen…)