Tag: Frauen

von Dr. Susanne von Puttkamer

Das OLG Hamm hat diese Woche mit einem richtigen und wichtigen Urteil einen weiteren Pflock eingeschlagen für die Rechte von Kindern und gegen die Willkür von Erwachsenen. Jedes Kind hat ein Recht auf Kenntnis seiner Herkunft und seiner Abstammung, ein Recht, das höher zu bewerten ist, als ärztliche Verschwiegenheitspflichten und Verträge zwischen Samenspendern und -empfängern.
Dass der Vorrang der Rechte von Kindern nicht selbstverständlich ist in Deutschland zeigt auf der anderen Seite das kürzlich nach zähem Ringen verabschiedete „Gesetz zur Reform der elterlichen Sorge unverheirateter Eltern“. Anstelle der naheliegenden Lösung, nunmehr endlich durch eine Gleichbehandlung aller Kinder auch denjenigen Vätern ab Geburt die gemeinsame elterliche Sorge für ein Kind einzuräumen, die nicht mit der Mutter verheiratet sind, wurde erneut eine komplizierte Sonderregelung geschaffen, die doch wieder ein gerichtliches Verfahren erforderlich macht, um Kindern zu ihrem verfassungsmäßig garantierten Recht zu verhelfen. Wir erinnern, dass Art. 6 GG garantiert: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ und „den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern“. Was in anderen europäischen Ländern, z.B. in Belgien seit Jahren möglich ist, ist der deutschen Gesellschaft (den deutschen Müttern?) offenbar nicht zuzumuten, nämlich die gemeinsame elterliche Sorge von Anfang an. Befürchtet man immer noch, dass Erzeuger, so sie nicht anonyme Spender sind (s.o.), die gemeinsame elterliche Sorge dazu missbrauchen, alleinerziehenden Müttern das Leben schwer zu machen?
Ob man den betreffenden Müttern, deren vermeintliche „Lobby“ maßgeblich zur halbherzigen gesetzlichen Neuregelung beigetragen hat (eine Väterlobby zur Verhinderung der gemeinsamen elterlichen Sorge ist jedenfalls nicht in Erscheinung getreten), hiermit wirklich einen Gefallen tut, bleibt zumindest zweifelhaft. Wenn man mit Marx davon ausgeht, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt, wird doch durch das neue Recht eher die Annahme verfestigt, dass unverheiratete Mütter zunächst einmal alle Pflichten der Erziehung alleine zu tragen haben und den dazugehörigen Vätern wird das Signal gegeben, dass sie die Wahl haben, ob sie für ihr Kind sorgen wollen oder nicht. Es profitieren einzig diejenigen Frauen, die auch bisher schon darauf setzten, den Vater ihrer Kinder aus deren Leben fernzuhalten, eine dem Kindeswohl nicht gerade förderliche Haltung, die eigentlich nicht durch den Gesetzgeber belohnt werden sollte.
Wir aber halten als Zwischenstand der Entwicklung fest: Kinder haben ein Recht auf Kenntnis der genetischen Abstammung, aber kein Recht auf die elterliche Sorge beider Eltern von Anfang an. Volle Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist gut, nicht aber in der Eigenschaft als Väter und Mütter.

Dr. Susanne von Puttkamer ist Fachanwältin für Familienrecht und Mediatorin in Jena. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Als ob ein Ventil geöffnet wurde – so hat ein Freund die Reaktionen auf meinen Artikel „Dann mach doch die Bluse zu“ beschrieben. Eine Nachbetrachtung.

Der gewaltige Zuspruch ist das eine. Das andere dürfte die Erkenntnis sein, dass es in Deutschland die viel zitierte schweigende Mehrheit immer noch gibt.

Ja, Autoren sind eitel, sie wollen gelesen werden, sie wollen Aufmerksamkeit, sie verbreiten Meinung, und sie setzen sich auch mal richtig in die Nesseln. Worst Case bleibt allerdings: nicht gelesen zu werden.

Es ist nicht planbar, nicht kalkulierbar und schon gar nicht beeinflussbar, ob die eigene Meinung ankommt. Entweder man trifft den Nerv oder nicht. Wenn man ihn überhaupt treffen will! Es war also nicht abzusehen, dass sich dieser Artikel zu einem Phänomen entwickeln würde, das mich – das dürfen Sie glauben – am meisten überrascht hat.

Das Frauenkollektiv ist tot

Geschrieben in der Nacht, wütend, aufgebracht. Die Schreibfeder platzte nach der Gruppentherapie-Sendung von Günther Jauch. Diese klammheimliche Freude von Alice Schwarzer. Dies Beharren auf dem ewigen Opfer-Status der Frau, gepaart mit einer Ich-hab’s-schon-immer-gesagt-Attitüde. Als Frau fühlte ich mich da nicht vertreten. Auch nicht von der #Aufschrei-Urheberin Anne Wizorek, die mit in der Sendung saß. Angeblich die moderne Frau von heute, die mit mir aber nichts zu tun hat, genauso wenig wie mit den Frauen, mit denen ich eine Woche lang über das Thema Sexismus diskutiert hatte. Es war genug Frauen-Happening. Das Frauenkollektiv ist tot. Diese Debatte ist der beste Beweis. Frau Schwarzer konnte kaum noch an sich halten. Ist irgendjemandem außer mir noch aufgefallen, dass Sie Frau Wizorek ständig beim Vornamen anredete und den auch noch verhaspelte? Wir, die Anne und ich, wir wissen, was Sache ist. Das sollte wohl die Botschaft sein. Eine Anmaßung, die mich in Rage bringt.

Seit „mach die Bluse …“ online ist, strömten Hunderte, Tausende von Reaktionen durch das Netz. Die Seite explodierte hier beim European und brach bei freiewelt.net, die den Text nachdruckten, sogar zusammen. Ich bekam Post von Männern und Frauen. Letzteres freut mich besonders. Ja doch, ich bin wenig zimperlich ins Gericht gegangen mit meinem eigenen Geschlecht. Der Schuss hätte auch nach hinten losgehen können. Selbst oder gerade, weil es die Wahrheit ist, dass wir Frauen unsere weiblichen Waffen sehr wohl oft und gezielt einsetzen. Doch weiblicher und männlicher Zuspruch halten sich die Waage, auch wenn mir manche Damen gerne unterstellen, ich bediente nur die Macho-Fraktion. Tut mir leid, ich bleibe dabei, die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es sind selbstbewusste Frauen, die mit ihrem Frausein glücklich sind und sich nicht als hilfsbedürftige Mäuschen betrachten lassen wollen. (weiterlesen…)

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Vielleicht wäre uns diese ganze Debatte erspart geblieben, wenn an diesem ominösen Abend an der Bar nicht Rainer Brüderle, sondern George Clooney gestanden hätte, um seine Tanzkarte an Frau Himmelreich weiterzureichen. Aber so müssen wir alle teilhaben an dem jämmerlichen Balzversuch des Altpolitikers gegenüber der aufsteigenden Jungjournalistin. Denn die ganze Nummer bekommt einen ganz neuen Dreh, wenn männliche Annäherung auf fruchtbaren Boden fällt. Dann wäre es unter Umständen die Geschichte eines heißen Flirts geworden und Frau Himmelreich hätte bis an ihr Lebensende einen echten Clooney bei ihren Freundinnen zum Besten geben können. Was wir daraus lernen? Wo persönliche Befindlichkeit als ausreichender Gradmesser erscheint, um Sexismus zu definieren, verkommt der Begriff zur Beliebigkeit.

Ein Bärendienst für alle Journalistinnen

Nein, ich wollte mich dazu nicht äußern. Weil ich diese ganze Brüderle-Sexismus-ich fühl-mich-ganz-doll-bedrängt-Diskussion aufgebauscht und heuchlerisch finde. Weil die einzige Diskussion zu dem Thema Brüderle, die es wert wäre, geführt zu werden, die ist, wieso neuerdings der „Stern“ als Qualitätsmedium gegen Sexismus aller Art gilt. Etwa wegen der zahlreichen unbekleideten Damen, die regelmäßig auf dem Cover zu sehen sind, um den investigativen Charakter des Blattes zu unterstreichen? Und die zweite Frage, die mir als Frau dazu einfällt, ist diejenige, wieso die Herren in der Redaktionsleitung des „Stern“ eigentlich eine junge Journalistin, die sich angeblich von einem Politiker bedrängt fühlt, ein ganzes Jahr noch auf weitere Termine mit dem gleichen Mann schickt.

Wenn es also tatsächlich so unverzeihlich und dramatisch ist, was ein Brüderle sich da nachts an der Bar geleistet hat, dann hätte ein verantwortungsvoller Arbeitgeber seine junge Mitarbeiterin davor bewahren und schützen müssen, anstatt sie dem weiter auszusetzen. Stattdessen sitzt der Chefredakteur bei Günther Jauch und gibt den Vorkämpfer der Frauenbewegung. Und als Gipfel fordert die Medienmeute eine Entschuldigung von Brüderle bei der Journalistin. Um es mal klar zu sagen: Die einzige Entschuldigung, die hier fällig ist, wäre die von Rainer Brüderle an seine eigene Frau, und die hat es mit Sicherheit schon gegeben. (weiterlesen…)

Rolle rückwärts

4. Oktober 2012

Der Vorschlag der Großelternzeit von Kristina Schröder ist auf den ersten Blick so entwaffnend sympathisch, dass man leider erst auf den zweiten Blick sieht, wohin es führt: Noch weniger Zeit für die eigenen Kinder, noch mehr Altersarmut.

Ja, wer kann denn schon was dagegen haben, dass Großeltern sich um die Enkelkinder kümmern? Eine Oma, die immer Zeit hat, die Kuchen backt und von früher erzählt. Opa spielt Schach und bringt den Kindern das Angeln bei. Oma liest Bücher und übt Vokabeln. Das müssen die blühenden Landschaften in den Gärten der Mehrgenerationenhäuser sein. Man sieht förmlich vor sich, wie das ganze Dorf, das in Afrika benötigt wird, ein Kind groß zu ziehen, jetzt auch in Deutschland Gestalt annimmt. Generationenübergreifende Solidarität und abends schreitet man Hand in Hand in den Sonnenuntergang. Kommen wir zur Realität.

Weniger Zeit für Familie

Im Familienbericht der Bundesregierung tauchte zu Beginn dieses Jahres erstmals der Vorschlag auf, dass die bisherige Elternzeit, die allen Eltern zusteht, um eine Großelternzeit ergänzt werden soll, damit zukünftig auch Oma und Opa auf die Enkel aufpassen können. Schon damals stellte sich die Frage nach dem Sinn, tun dies doch die allermeisten Großeltern, denen dies räumlich und finanziell möglich, sowieso schon. Warum also einen Anspruch schaffen für etwas, das sowieso geleistet wird? Noch ein paar Eulen nach Athen tragen? In der Betreuungsgelddebatte wird genau dieser Tatbestand immer als „Mitnahmeeffekt“ angeprangert. Was dort falsch ist, wird hier also plötzlich richtig? Für wen ist also dieser neue Anspruch gedacht? Und wer kann es sich leisten kurz vor dem Rentenalter dies überhaupt in Anspruch zu nehmen?

Es entbehrte übrigens schon im Familienbericht mit dem schönen Titel „Zeit für Familie“ einer inneren Logik: Die Expertenrunde hatte herausgefunden, dass sich Eltern vor allem mehr Zeit für die Familie und die Kinder wünschen. Großelternzeit bedeutet aber nicht mehr Zeit der Eltern mit den Kindern, sondern mehr Zeit der Großeltern mit den Enkelkindern.  Mama und Papa wünschen sich also etwas – Oma und Opa bekommen es. Ja, das macht Sinn. (weiterlesen…)

Gender Mainstreaming nutzt vor allem Frauen, verhindert den Blick auf andere Ungleichheiten und ist längst ein einträgliches Geschäft.

Man hätte es auch einfach bei Gleichstellungspolitik belassen können. Wer Gleichheit zwischen Männern und Frauen will, braucht keinen englischen Kunstbegriff wie Gender Mainstreaming, den kaum ein Deutscher in zwei vernünftigen Sätzen erklären kann – und der dann doch wieder in Gleichstellungspolitik zurück übersetzt wird und sowieso nur Frauenpolitik beinhaltet. Gender Mainstreaming konnte niemals die Lösung für die Geschlechterfrage sein, weil es einfach nur eine krude Theorie ist, die darauf hinarbeitet, Geschlechtsunterschiede auszumerzen, anstatt Mann und Frau gleichwertig zu behandeln.

Denn es ist ein Unterschied, ob ich angesichts der Verschiedenheit von Männern und Frauen ein gerechtes Miteinander suche, oder ob ich das biologische Geschlecht nur als eine Fußnote der Biologie betrachte. Diese Theorie geht übrigens zurück auf John Money in den 70ern, ein Psychologe und Transgenderforscher, der Transsexuelle an seiner Seite zur Schau stellte und durch Talkshows tingelte, bis er den ganz großen Durchbruch hatte. Die Feministinnen stürzten sich freudig auf seine Idee, dass alles nur ein soziales Konstrukt sei, eine Fessel, die man einfach sprengen kann. Schien doch Simone de Beauvoirs „man wird nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht“ endlich Realität. Dumm nur, dass Money seine Theorie nie beweisen konnte. Seine beiden berühmtesten Patienten haben sich dank seiner „Behandlung“ umgebracht, aber wen kümmert das schon? (weiterlesen…)