Tag: Feminismus

Auf ihn mit Gebrüll

29. November 2012

Manchen reicht es nicht, zu gewinnen, sie wollen ihre Gegner auch erniedrigt am Boden sehen. Für die Geschlechterdebatte bedeutet dies: Mühsam abgebaute Fronten werden mancherorts neu errichtet.

Das muss wahrlich ein Fest gewesen sein für „Spiegel“-Autorin Silke Burmester. Angepeitscht durch einen Leitartikel der „Zeit“ (Macho, weiß, von gestern) zum angeblichen Untergang des weißen Mannes nach der Wahlniederlage von Mitt Romney in den USA, hat sie sich in ihrer Kolumne zum feministischen Orgasmus hochgeschrieben. Sie müssen nämlich wissen, Mitt Romney war das letzte Machtaufbäumen des heterosexuellen, weißen Mannes, darin seien sich „die Klugen einig“. Und dieser hat nun innerhalb „einer Woche“ wie Frau Burmester weiß, stellvertretend für seine gesamte weiße, heterosexuelle Spezies, seine Weltherrschaft verloren. Er ist zum armen Würstchen verkommen: „Eben noch bling-bling und geiles Brusthaar, bist du jetzt der Trottel der Kompanie.“ Der Zug der Geschichte fährt also ohne ihn ab, stattdessen sitzen darin diejenigen, die der weiße Mann angeblich aus seiner Welt bannen will: „Frauen, Farbige, Einwanderer, Homos und Behinderte“. „Der Wind trägt das schallende Gelächter seiner Insassen an dein Ohr“, ruft sie Mitt und seinen weißen Kumpels zu. Nein was für ein Freudentanz für Fräulein Burmester. Endlich ist er am Boden und in Ekstase trampelt sie auf dem Häufchen Elend rum, das angeblich nur noch übrig ist, von dem einst stolzen, weißen Mann. „Die Klugen“, zu denen sich Frau Burmester ohne Zweifel zählt, wissen aber auch noch mehr: Sie stehen auf der richtigen Seite. Sie halten sich nicht auf dem „untergehenden Schiff“ fest, dort werden nämlich nur noch „traurige Gestalten zusammen mit ein paar blöden Neonazis und Kristina Schröder übrig bleiben“. Interessante Linie: Mitt Romney – Neonazis – Kristina Schröder. (weiterlesen…)

Seit 15 Jahren ist die Gleichstellungspolitik (Gender Mainstreaming) EU-weit verbindlich festgeschrieben. Doch es war eine Mogelpackung EINE BILANZ VON BIRGIT KELLE

Wo Gleichstellung draufsteht, ist Frau drin. Mehr als 1900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüros auf der einen Seite. Männerbeauftragte: null. Über 100 Lehrstühle für Frauen- und Gender-Forschung. Lehrstühle für Männerforschung: null. Eine Bewegung, die angetreten ist, die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu erreichen, ist nach 15 Jahren immer noch dort, wo sie schon immer sein wollte: bei der Frau. Da nützt es auch nichts, wenn die unzähligen Frauenbeauftragten im Land jetzt Gleichstellungsbeauftragte heißen. 

Dumm nur, dass sich die Definition von Gender Mainstreaming im Amsterdamer Vertrag zumindest sprachlich ausdrücklich um eine Politik für Frauen und Männer bemühte. Demnach soll es „die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigen“. 15 Jahre später ist klar: Dies war nur rhetorisch gemeint. Wie eine heilige Kuh wird die alleinige Benachteiligung der Frau gehegt. Fakt ist freilich, dass auch Männer Benachteiligungen erleben, jedoch andere als Frauen. Was geschieht, wenn eine der unzähligen Frauenbeauftragten dieses Schema mal durchbricht, war im vergangenen Jahr in Goslar zu beobachten. Als die dortige Gleichstellungsbeauftrage Monika Ebeling begann, sich auch für Väter und Männer insgesamt einzusetzen, wurde sie auf Druck von Feministinnen aus dem Amt gejagt.

Auch ein Blick auf die Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros zeigt, dass man sich bei den 1900 Stellen nicht einmal die Mühe macht, wenigstens so zu tun, als sei man auch für Männer zuständig. Man ist ein „professionelles Netzwerk der institutionalisierten Frauenbewegung“, um die „Interessen von Frauen auf Bundesebene zu vertreten“.

Dabei gäbe es für eine staatlich finanzierte Interessensvertretung männlicher Mitbürger viel zu tun. Überall sprießen Vätervereine derzeit aus dem Boden, weil immer mehr Trennungen immer mehr verzweifelte Väter ohne Umgangsrecht mit ihren Kindern zurücklassen. An welche offizielle Stelle dürfen sie sich wenden? Männer führen die Ranglisten an bei: Selbstmorden, Obdachlosigkeit, Herzinfarkten, Arbeitsunfällen, Todesfällen im Beruf – und dann sterben sie auch noch früher. Jungs sind längst die Sorgenkinder auf den Schulen, sie bleiben häufiger sitzen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss, werden eher kriminell und schlucken das meiste Ritalin. Doch wer fühlt sich staatlicherseits dafür zuständig? Und man stelle sich die gleiche Problemlage mal in vertauschten Rollen vor, wenn dies alles auch noch Frauenprobleme wären. Wir würden doch glatt noch mal ein paar 100 FrauenbeauftragtInnen einstellen. (weiterlesen…)

Quotendebatte hin oder her – Frauen sind nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auf dem Vormarsch. Auch wenn man angesichts der aktuell lauten Diskussionen rund um fehlende Frauen in DAX-Vorständen in Deutschland und Europa meinen könnte, wir lebten in einem Gleichstellungs-Entwicklungsland, blenden diese Debatten doch weite Teile unserer Gesellschaft einfach aus, in denen sich Frauen etabliert haben und nicht mehr wegzudenken sind. Tendenz steigend – und das ist auch gut so.

Fakt bleibt, dass noch niemals bisher in der Geschichte der Menschheit so viele junge Frauen in den Startlöchern standen wie heute. Sie werden ihren Weg gehen, und allein schon auf Grund des Fachkräftemangels wird man gar nicht mehr an ihnen vorbei kommen. Wir brauchen die Frauen, nicht nur zur Bewältigung der demographischen Krise, sondern mehr denn je in der Wirtschaft.

Die gesetzliche Gleichstellung einerseits und die massive Frauenförderung der vergangenen Jahrzehnte andererseits haben dazu geführt, dass heute mehr Mädchen und Frauen deutlich besser ausgebildet sind als Jungen und Männer. Mädchen machen häufigere und bessere Schulabschlüsse, sie stürmen die Universitäten und dort auch die Lehrstühle. So stieg die Zahl der Professorinnen in Deutschland von 1992 bis 1998 um 60 Prozent, im Jahr 2009 hatten sich die Damen an den Universitäten bereits über 18 Prozent aller Stellen ergattert – das mag in Prozent wenig klingen, bedeutet aber auch, dass sich die Zahl der Frauen innerhalb von 17 Jahren verdreifacht hat. Das wiederum ist viel. (weiterlesen…)

Der berufstätigen, kinderlosen Frau liegt die Welt zu Füßen. Die nächste Frauenbewegung wird sich um die Mütter kümmern müssen

Frauen und Kinder zuerst – was auf hoher See noch gelten mag, ist spätestens an Land nur noch eine Phrase. Der Sinn der Frage „Wen rette ich zuerst?“ entstammt dem einst geltenden Grundsatz, dass es für das Überleben einer Gesellschaft wichtig ist, diejenigen zu schützen, die den Fortbestand der Generationen sichern: potenzielle Mütter und Kinder. Fallen sie weg, hat auch die Gesellschaft der Männer keinen Bestand. 

Zumindest vordergründig kümmert sich die deutsche Familienpolitik aufopferungsvoll um die Frau in unserem Land. Wir haben Tausende von Frauenbeauftragten, den Girls´ Day, Mentoring-Programme für Frauen- und Mädchenförderung, so weit das Auge reicht. Doch Frau ist nicht gleich Mutter. Nur diese aber kann das Leben weitertragen.

Gleichzeitig macht uns der Fachkräftemangel zu schaffen. Die Human Resources sind so weit ausgereizt, dass Mutti es jetzt auch hier richten soll. Kinder müssen also her, sollen aber zu Hause nur noch als Durchlaufposten betreut werden, um den Weg für die Arbeitskraft ihrer Mütter frei zu machen. Längst steht im Fokus der Frauenpolitik nicht mehr die Mutter, die sich um den Fortbestand der Generationen kümmert, sondern die Frau in der Arbeitswelt. Frauenquoten, Widerstand gegen das Betreuungsgeld, Frauenförderung in der Wirtschaft, flächendeckender Kita-Ausbau und sogar das Elterngeld, das als „Lohnersatzleistung“ für den Schadensfall Kind definiert wird – alles Instrumente zur Förderung der berufstätigen Frau. Schön, klug und vom Manne unabhängig – so soll sie sein. Dafür hat der Feminismus jahrelang gekämpft. Endziel: Frauen-Vollbeschäftigung. Statistisch bringt Frau jedoch immer weniger Kinder zur Welt, je mehr sie beruflich tätig ist und je höher sie auf der Karriereleiter steigt. Damit ist das Dilemma perfekt. (weiterlesen…)

Emanzipation trotz Sandkasten?

23. März 2012
by Webmaster

von Dr. Friederike Hoffmann-Klein

„Familie und Beruf, beides ist wichtig, aber Vorrang hat die Familie“. Diese Äußerung hört man in letzter Zeit nicht selten, von Frauen und von Männern. Gleichzeitig gilt es als nicht zu hinterfragendes Dogma, dass Frauen allein deshalb gegenüber den Männern benachteiligt sind, weil sie als Mütter berufliche Abstriche machen. So spricht etwa Julia Wittenhagen in der F.A.S. vom 4.3.2012 davon, dass Frauen in der „Teilzeitfalle“ stecken.

Als Folge eines Feminismus, wie er ein den 70-er Jahren von Alice Schwarzer geprägt wurde, ist ein negatives Bild der Mutterrolle entstanden. Als ob diese ein Relikt aus vergangenen, männlich-dominierten Zeiten wäre, von dem sich „frau“ so schnell wie möglich distanzieren sollte. Tatsächlich hat auch die Mutterrolle sehr viel mit Selbstverwirklichung zu tun. Das gilt nicht etwa nur für Frauen, die sonst keine Möglichkeit hätten, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, sondern auch – oder gerade – für akademisch hoch gebildete Frauen. Die negative Sichtweise verstellt hingegen den Blick auf das, was Frauen als Mütter leisten. Sie wird damit zu einem Problem der Gerechtigkeit. Mütter unterliegen heute einem nicht unerheblichen Rechtfertigungsdruck. Da das, was ich als Mutter leiste, aus der Perspektive eines solchermaßen definierten Feminismus so gut wie nicht zählt, handelt es sich also um nichts anderes als mein (oft sehr anstrengendes!) Privatvergnügen. Da Erziehungszeit notwendigerweise bedeutet, dass ich beruflich kürzer trete, genüge ich auch in dieser Hinsicht den feministischen Anforderungen nicht, sondern muss mich dafür rechtfertigen, dass ich nicht „mehr arbeite“. Leistungsgerechtigkeit sieht anders aus. (weiterlesen…)