Emanzipation trotz Sandkasten?

23. März 2012
by Webmaster

von Dr. Friederike Hoffmann-Klein

„Familie und Beruf, beides ist wichtig, aber Vorrang hat die Familie“. Diese Äußerung hört man in letzter Zeit nicht selten, von Frauen und von Männern. Gleichzeitig gilt es als nicht zu hinterfragendes Dogma, dass Frauen allein deshalb gegenüber den Männern benachteiligt sind, weil sie als Mütter berufliche Abstriche machen. So spricht etwa Julia Wittenhagen in der F.A.S. vom 4.3.2012 davon, dass Frauen in der „Teilzeitfalle“ stecken.

Als Folge eines Feminismus, wie er ein den 70-er Jahren von Alice Schwarzer geprägt wurde, ist ein negatives Bild der Mutterrolle entstanden. Als ob diese ein Relikt aus vergangenen, männlich-dominierten Zeiten wäre, von dem sich „frau“ so schnell wie möglich distanzieren sollte. Tatsächlich hat auch die Mutterrolle sehr viel mit Selbstverwirklichung zu tun. Das gilt nicht etwa nur für Frauen, die sonst keine Möglichkeit hätten, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, sondern auch – oder gerade – für akademisch hoch gebildete Frauen. Die negative Sichtweise verstellt hingegen den Blick auf das, was Frauen als Mütter leisten. Sie wird damit zu einem Problem der Gerechtigkeit. Mütter unterliegen heute einem nicht unerheblichen Rechtfertigungsdruck. Da das, was ich als Mutter leiste, aus der Perspektive eines solchermaßen definierten Feminismus so gut wie nicht zählt, handelt es sich also um nichts anderes als mein (oft sehr anstrengendes!) Privatvergnügen. Da Erziehungszeit notwendigerweise bedeutet, dass ich beruflich kürzer trete, genüge ich auch in dieser Hinsicht den feministischen Anforderungen nicht, sondern muss mich dafür rechtfertigen, dass ich nicht „mehr arbeite“. Leistungsgerechtigkeit sieht anders aus.

Um diesen Denkmustern, die ein Feminismus Schwarzer`scher Prägung Frauen auferlegt hat und den viele junge Frauen heute nicht mehr als zeitgemäß empfinden, zu entkommen, brauchen Mütter ein neues Selbstbewusstsein. Das ist nicht nur deshalb angebracht, weil unsere Gesellschaft angesichts der demographischen Situation doch wieder stärker als noch vor einigen Jahren ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass Kinder ein wertvoller und unverzichtbarer Beitrag sind. Die Aufwertung der Mutterrolle gelingt auch dann, wenn mit dem Vorurteil aufgeräumt werden kann, Muttersein und geistige Tätigkeit seien Gegensätze. Meiner Erfahrung entspricht das nicht. Wie oft habe ich am Sandkasten gesessen und über ein philosophisches, politisches oder juristisches Problem nachgedacht, das ich dann – bei solcher gedanklichen Vorarbeit – anschließend in schriftliche Form gebracht habe. So ist es oft gerade der äußere Freiraum durch die Arbeit mit den Kindern, der dazu genutzt werden kann, sich neue Gebiete zu erschließen, etwa auch durch Lektüre, für die man als voll berufstätige Frau keine Zeit gehabt hätte. Das Denken endet jedenfalls nicht am Sandkasten.

Professor Susanne Baer, seit Februar 2011 Richterin am Bundesverfassungsgericht, ist der Meinung, eine Frau, die den Wunsch hat, ihrer Kinder wegen nur in Teilzeit zu arbeiten oder auf Karriere zu verzichten, habe noch nicht das richtige Bewusstsein. In Äußerungen wie dieser zeigt sich eine zutiefst intolerante Seite des Feminismus. Diese Art eines in vorgeformten Kategorien verhafteten Denkens begegnet einem auch in der gegenwärtigen Diskussion um das Betreuungsgeld. Die Diffamierung des Betreuungsgeldes, das bei nüchterner Betrachtung unter die Kategorie der Gerechtigkeit gefasst werden kann, als „Herdprämie“ lässt nicht nur die doch eigentlich selbstverständliche Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen vermissen. Hierin zeigt sich m.E. auch eine gewisse Naivität des Denkens, welche eine selbst konstruierte Annahme, nämlich die Notwendigkeit einer (möglichst) vollen Erwerbstätigkeit von Müttern, nicht mehr in Frage stellen kann.

Der Staat ist verpflichtet, Nachteile für Frauen, die es immer noch gibt, abzubauen. Aber wer definiert, was als Nachteil zu gelten hat und was nicht? Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle – der voll berufstätigen Mutter, der in Teilzeit berufstätigen Mutter, der Vollzeitmutter (oder wie es auch modern heißt, der Familienmanagerin) kann man sicher nicht eins zu eins ausgleichen. Aber es lässt sich doch jedenfalls Folgendes feststellen: die nicht berufstätige Mutter erbringt gegenüber ihrem Kind die Leistung, für welche die berufstätige Frau die Unterstützung der Krippe benötigt, und verzichtet dafür auf eigenes Einkommen. Dieser Gedanke sollte es zumindest verbieten, sie als bequem zu beschimpfen.

Gegenüber der Vorstellung, dass der Staat das Doppelverdienermodell mehr fördern müsse, weil nur dies die Gleichheit zwischen Männern und Frauen voranbringt, scheint mir verfassungsrechtlich eher eine Familienpolitik geboten zu sein, die wirkliche Wahlfreiheit ermöglicht. Hierfür kann neben dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz – die Krippenbetreuung wird mit etwa 1000 EUR mtl. pro Krippenplatz  subventioniert, während die ihr Kind selbst betreuende Mutter leer ausgeht – auch auf den Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1, Art. 1 des Grundgesetzes) Bezug genommen werden. Der Staat hat nicht ein bestimmtes Familienmodell vorzuschreiben, sondern die Rahmenbedingungen für größtmögliche Freiheit zu schaffen, wie es bspw. in Frankreich oder Schweden geschieht. Fehlt uns Deutschen hier vielleicht eine gewisse Leichtigkeit des Denkens, die den Franzosen selbstverständlicher ist?

Kinder und Beruf, beides ist wichtig. Und es ist auch vollkommen zu akzeptieren, wenn eine Frau auf Kinder verzichten will, weil sie ganz und gar in ihrem Beruf aufgeht. Die Entscheidung für ein bestimmtes Lebensmodell beruht immer auf einer Gewichtung, die natürlich sehr persönlich ist. Aber in einer Gesellschaft, die vom Pluralismus der Lebensentwürfe geprägt ist, ja, die den Pluralismus als einen der wichtigsten Werte verteidigt, muss es akzeptiert werden können, wenn Frauen auch in dieser Frage ihrer persönlichen Präferenz folgen.

Mein Alltag mit drei Kindern lässt mir oft nicht mehr als eine halbe Stunde freie Zeit am Abend. Dennoch habe ich manchmal das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen, jedenfalls dann, wenn ich an meine Bekannte denke, die einen Feminismus im herkömmlichen Sinn sehr vehement vertritt. Aus ihrer Sicht führt eine Frau nur dann ein selbstbestimmtes, erfolgreiches Leben, wenn sie berufstätig ist. Nicht nur nebenbei oder in Teilzeit, sondern als „Karrieremama“.

In gewisser Weise trifft zu, dass nicht Frauen in unserem Land diskriminiert werden, sondern Mütter, deren Arbeit weder materiell noch immateriell in ausreichender Weise anerkannt wird, obwohl sie für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist. Muttersein ist keine von außen auferlegte Rolle, sondern stellt für viele Frauen einen wesentlichen Teil eines selbstbestimmten Lebens dar. Mutter zu sein, ändert die Prioritäten von Frauen (natürlich nicht, wie manchmal behauptet wird, die Interessen) von Grund auf, wie eine Befragung von Frauen in Europa im Rahmen einer Studie des Weltmütterverbandes (Mouvement Mondial des Mères) im vorigen Jahr in beeindruckender Weise gezeigt hat. Je mehr Kinder eine Frau hat, desto eher möchte sie einen Schwerpunkt in der Familienarbeit sehen. Dies zur Kenntnis zu nehmen, ist nicht allein angesichts der demographischen Situation wichtiger als die Forderung nach einer immer weiteren Einengung des Spielraums für Frauen im Namen einer übertriebenen Gleichstellungspolitik.

 

Dr. Friederike Hoffmann-Klein studierte Rechtswissenschaften in Freiburg, ist verheiratet und Mutter von drei Kindern (12, 10 und 2). Ihre Promotionsarbeit gab sie kurz vor Geburt des ersten Kindes ab. Sie arbeitet heute als freie Mitarbeiterin in einer Anwaltskanzlei und bereitet sich auf die Abschlussarbeit ihres Fernstudiums an der Freien Journalistenschule in Berlin vor.

6 Comments

  • Anke Müller sagt:

    Frau Hoffmann-Klein spricht mir aus dem Herzen. Ich bin ebenfalls „studierte Vollzeitmama“ (Volkswirtin und Mutter dreier Söhne im Alter von 13, 11 und 9 Jahren). Die Familienarbeit füllt mich rundum aus. Die Entwicklung meiner Kinder bestätigt mir immer wieder aufs Neue die Richtigkeit meiner Entscheidung, auf eine Berufstätigkeit zu verzichten. Viel mehr als die damit verbundenen finanziellen Einbußen belastet mich aber die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz meiner Leistung. Der gesellschaftliche Druck auf junge Mütter, möglichst schnell wieder – möglichst umfassend – arbeiten zu gehen ist heute enorm. Den Frauen wird suggeriert, dass sie nur so ein erfülltes Leben führen können. Selbstverwirklichung im Job gilt als Lebensziel schlechthin. Wie aber sieht die Realität denn aus? Die Zeitungen sind heute voll mit Berichten über ausgebrannt Menschen – dazu benutzt man heute das Modewort „Burn-out“. Die Anforderungen an die jungen Mütter sind enorm – viele zerbrechen daran – das Wohl der Kinder spielt in der Diskussion nur eine sehr eingeschränkte Rolle. Mich ärgert zudem das Vorurteil der „Verdummung als Hausmütterchen“. Die zeitlichen Freiräume nutze ich intensiv zur Bildung. Wie sehr genieße ich zum Beispiel am Morgen etwas Ruhe und die intensive Zeitungslektüre. Ich respektiere Familien, die andere Wege gehen. Ich kenne viele Familien, die z.B. auf ein zweites Einkommen angewiesen sind und diese Doppelbelastung vorbildlich meistern. Schlimm finde ich aber den enormen gesellschaftlichen Druck auf junge Eltern, möglichst früh wieder zu arbeiten – um bloß den Anschluss nicht zu verpassen. Wirkliche Wahlfreiheit ist heute nicht mehr gegeben. In einem demokratischen Land sollten aber die verschiedensten Lebensmodelle gewürdigt werden. Neben der Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen sollte eine Unterstützung – auch in moralischer Form – der Familien selbstverständlich sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass dann auch wieder mehr Mütter – oder auch Väter – eine Zeit lang ihre Kinder selber versorgen würden. Der gesellschaftliche Druck zwingt sie heute zu einer anderen Handlungsweise.

  • Das ist genau das, was wir von der MAL bemängeln und ändern wollen: die wirklich Diskriminierten und Benachteiligten unserer Gesellschaft sind die Mütter und damit letztlich die Kinder, die entwicklungspsychologisch auf stabile Beziehungen besonders zur Mutter angewiesen sind, um emotional stabil und damit glücklich zu werden. “Mütterlichkeit” ist hierzulande schon ein Schimpfwort, identisch mit geistiger Minderbemittlung. Dies zu ändern, lohnt den Kampf aller Frauen, die wirkliche und echte “Emanzipation” wollen!!

  • sagt:

    In was für einer, Pardon, Sch_ _ _ gesellschaft möchte ich nicht mehr leben? In dieser!
    In dieser Maschmeyerlobhudeleigesellschaft (Gruppenbild mit “Endmoräne”* – s.*Priol.) In dieser Spießersagennichtssondernhaltenausgesellschaft.
    Ob es die Altenpflege ist oder der Dilettantismus in allen und öffentlich verbliebenen Bereichen, es wird UNERTRÄGLICH, die Menschen haben sich bereits verändert. Der “Umbau” ist nahezu vollzogen, die Strukturen sind kaputt, zerschlagen.
    Wer gestern die Medienschlachten bis hin zu dlf-Beiträgen (um die “Herdprämie”)verfolgt hat (einschl. der Konvertiten der CDU)kann sich eine vage Vorstellung machen, wo die Reise noch hingeht, resp. wo sie auch in dieser Frage bereits angekommen ist!(Super dem Moderator gekontert hat Dorothee Bär von der CSU!!!) Unterstrichen von Artikeln wie auf nachdenkseiten v. 2.4. über Teach First (Privatisierte Erziehung). Oder über den Bluttest bei Down Syndrom auf ZEIT online.(und erst die Kommentare!) Die “Taten” der Feierabend-Stammtischpolitiker und neu geschaffenen Streichungsverwaltungsarbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden bereits angekündigt: Runterstufen des Personalschlüssels bei Schwerstbehinderten und Angleichung des Essens auf Hartz-IV-Niveau, z.B. von 3,50€ auf 1,63. Das heißt dann industrielle Sattmacher und Geschmacksverstärker, billige Süße und kurze Kohlehydrate. Wieder einmal eine Verschlimmbesserung, welche die volkswirtschaftlichen Spätfolgen offenbar nicht berücksichtigt.
    Obwohl ich das konservative Lager zu hundert Prozent nicht unterstütze (bin seit 1981 Mutter und vertrat schon v o r Christa Müller deren Positionen oder die Argumentationsline der Rentenklägerinnen und Familienfrauen) bin ich eine absolute Gegnerin von Frühkindertagesstätten. Und selbst die späteren paar Stündchen Kinder”garten” haben meine Kinder verachtet bis zur Verweigerung (um sich selbst zuhause mit fünf Lesen und Gitarrespielen beizubringen oder um Baumhäuser zu bauen usw.)Wie absurd, UvdLs Vorstellung der ökonomisierten Erziehungsleistung! Szenario: ein Doppelhaus. Zwei Mütter, die angemeldeten Kindertausch vornehmen. Schizophrener kann man diese Luftnummernproduzentin am laufenden Band (Bildunsschlechtscheine) nicht vorführen.

    Statt an der Schraube Wertschätzung(Bewusstsein in der Gesellschaft ) zu drehen, dass Frauen (Eltern) einen Bonus bekämen und Ansprüche auf ausgesetzte Arbeitsplätze geltend machen können oder nach beliebig langer Pause einen Wiedereinstieg garantiert bekämen wird in einen bombastischen Medienhype investiert (OECD), dass Mütter allein zwecks Wirtschaftsgefügigkeit umgepolt werden sollen.
    Einmal heißt es, die Herdprämie sei billiger als neue Tagesstätten zu errichten. Dann heißt, zu viele Eltern würden diese Leistungen in Anspruch nehmen und es sei nicht finanzierbar. Hahaha! Meine Kinder wollen unter diesen Umständen leider keine eigenen Kinder in diesem Lande! Vielleicht wandern sie ja aus…Kann ich nur zuraten!Es gibt noch ein paar kinder-und familienfreundlichere Gefilde auf diesem Erdball!

    Die Erkenntnis, dass für Kinder ein ganzes Dorf wichtig sei, reduziert sich in BRD Deppenland technokratisch auf eine institutionalisierte Sozialisierung in Gleichschaltung. Ja, das UMFELD ist wichtig! (Aber bitte keine *Sektiererei! Und auch KEIN Homeschooling!!!*dazu kann man meine Kommentare bei Scharfschwerdtstraße 43 lesen))

    Welche Frau ist nicht ambivalent? ICH habe jetzt viiiieeel Zeit. Meine kinderlosen, meist getrennten, Single-oder Alleinerzieherinnen- “Kolleginnen” sitzen eingepanzert und haben noch ein paar Jahre in einem innerlich schon längst gekündigtem Job. Das “Angebot” für mich hieße nun Charity oder Ehrenamt???

  • Ein Mann sagt:

    Dieses Vorgeben starrer Modelle seitens des Staates geht mir stark gegen den Strich. Unsere Lebensmodelle werden immer diversifizierter, unsere Gesellschaft flexibler, nur die Politik hinkt immer ein großes Stück hinterher. Oftmals noch zum Negativen beeinflußt von realitätsfremdem Radikalfeministinnen – bei denen ich mich sowieso nach der Quelle ihrer Kompetenz frage, sind sie doch zu einem nicht geringen Teil bekennde männerhassende Kampflesben, die der Meinung sind, Frauen könnten nur mit Frauen zusammenleben (u.a. Schwarzer mit ihrer markanten Aussage “Feminismus ist Männerhaß”), ihre Meinung deswegen allen Frauen aufdrücken wollen. Woher diese Frauen die Qualifikation nehmen, sich in heterosexuelle Lebensmodelle einzumischen, erschließt sich mir nicht. Schaden haben sie mit ihrem kompromißlosen Dogmatismus genug angerichtet, zum Glück scheinen inzwischen immer mehr Menschen dies zu begreifen. Licht am Ende des Tunnels, wenn auch etwas spät.

    Bei uns stehen in den nächsten Jahren Kinder auf der Wunschliste, nicht 1 oder 2, sondern eher 4 oder 5.
    Ich will nicht, daß meine Frau Vollzeit-Mama wird, denn Arbeit bedeutet auch Sozialleben, Umgang mit anderen Menschen, Kontakte pflegen – und nicht zuletzt auch Abwechslung im Alltag.
    Ebenso wenig will ich selbst Vollzeit-Verdiener sein, ich habe keine Lust darauf, daß es später aussieht wie bei so vielen Familien, daß die Kinder mit allem zur Mutter rennen, während der Vater von ihnen zu hören bekommt “was willst Du überhaupt, Du bist doch eh nie hier” – nein, ich möchte was von meinen Kindern haben, möchte vom ersten Tag an genug Zeit mit ihnen verbringen, daß ich für sie absolut gleichwertige Vertrauensperson bin.
    Nun bin ich zwar emanzipiert genug, daß mir der Umgang mit meinen Kindern sehr wichtig ist, aber mitnichten so Radikalfeminismus-weichgespült, daß ich Vollzeit-Papa werden will – Sozialleben, Abwechslung undsoweiter.
    Der ideale Weg für mich (und ich denke auch für meine Frau, das haben wir jedoch noch nicht im Detail erörtert) sieht daher so aus, daß keiner von uns beiden Vollzeit-irgendwas (Elternteil bzw. Verdiener), sondern wir beide kürzer treten, sowohl arbeiten als auch uns um die Kinder kümmern, und das in ungefähr gleichen Anteilen.
    Auch wenn Teilzeit bei Männern noch selten ist und oftmals argwöhnisch beäugt wird, bin ich auch hier ausreichend emanzipiert, das so umzusetzen. Gegen den Strom schwimmen konnte ich schon immer gut, wenn ich vom Sinn und Zweck überzeugt bin.
    Ich bin gespannt, wie sich dieses bislang nur theoretische Modell in der Praxis machen wird. Auf jeden Fall freue ich mich drauf.

  • Auch ich kann das Hohelied, welches unisono auf die frühkindliche Krippenbetreuung angestimmt wird, nicht mehr hören. Diskriminiert werden in unserer Gesellschaft tatsächlich die Mütter respektive Väter, die sich selbst in vorbildlicher Weise um ihre Kinder kümmern. Um Studien, die die Schädlichkeit einer frühstkindlichen staatlichen Betreuung belegen, kümmert sich doch kaum ein Politiker. Und dann werden wir auch noch alle verdammt, unsere Steuergelder in den Krippenausbau zu investieren. Deutschland quo vadis? Auch die Rechtslage (Unterhaltsrecht) hat sich dermaßen negativ gewandelt, dass Frauen gezwungen werden, früh zu arbeiten, damit sie nicht als “Dummchen” leer ausgehen im Falle einer Scheidung. Also könnte man das “Elterngeld”, das für ein Jahr gezahlt wird, sozusagen als Gebärprämie ansehen. Ich prophezeie nur, dass wir damit der Entwicklung zur “Ein-Kind-Familie” Vorschub leisten. Armes, kaltes Deutschland!

  • Gottfried Meier sagt:

    Man muss sich einmal anschauen, wie die Fronten bei dem Streit um die Kindererziehung verlaufen. Die Feministinnen, die sich für die Krippenerziehung als ausschließlich sinnvolle Erziehung einsetzen, haben in der Regel keine Kinder oder allenfalls ein Kind. Die anderen, die Kindererziehung durch den Staat etwas kritischer sehen, haben oft viele Kinder, wie Frau Dr. Hofmann-Klein oder Frau Kelle oder auch meine eigene Frau. Meine Frau sagt, dass sie es erstens nicht gewollt hätte, mit drei kleinen Kindern zu arbeiten und sie das auch gar nicht geschafft hätte.

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