Seit 15 Jahren ist die Gleichstellungspolitik (Gender Mainstreaming) EU-weit verbindlich festgeschrieben. Doch es war eine Mogelpackung EINE BILANZ VON BIRGIT KELLE
Dumm nur, dass sich die Definition von Gender Mainstreaming im Amsterdamer Vertrag zumindest sprachlich ausdrücklich um eine Politik für Frauen und Männer bemühte. Demnach soll es „die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigen“. 15 Jahre später ist klar: Dies war nur rhetorisch gemeint. Wie eine heilige Kuh wird die alleinige Benachteiligung der Frau gehegt. Fakt ist freilich, dass auch Männer Benachteiligungen erleben, jedoch andere als Frauen. Was geschieht, wenn eine der unzähligen Frauenbeauftragten dieses Schema mal durchbricht, war im vergangenen Jahr in Goslar zu beobachten. Als die dortige Gleichstellungsbeauftrage Monika Ebeling begann, sich auch für Väter und Männer insgesamt einzusetzen, wurde sie auf Druck von Feministinnen aus dem Amt gejagt.
Auch ein Blick auf die Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros zeigt, dass man sich bei den 1900 Stellen nicht einmal die Mühe macht, wenigstens so zu tun, als sei man auch für Männer zuständig. Man ist ein „professionelles Netzwerk der institutionalisierten Frauenbewegung“, um die „Interessen von Frauen auf Bundesebene zu vertreten“.
Dabei gäbe es für eine staatlich finanzierte Interessensvertretung männlicher Mitbürger viel zu tun. Überall sprießen Vätervereine derzeit aus dem Boden, weil immer mehr Trennungen immer mehr verzweifelte Väter ohne Umgangsrecht mit ihren Kindern zurücklassen. An welche offizielle Stelle dürfen sie sich wenden? Männer führen die Ranglisten an bei: Selbstmorden, Obdachlosigkeit, Herzinfarkten, Arbeitsunfällen, Todesfällen im Beruf – und dann sterben sie auch noch früher. Jungs sind längst die Sorgenkinder auf den Schulen, sie bleiben häufiger sitzen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss, werden eher kriminell und schlucken das meiste Ritalin. Doch wer fühlt sich staatlicherseits dafür zuständig? Und man stelle sich die gleiche Problemlage mal in vertauschten Rollen vor, wenn dies alles auch noch Frauenprobleme wären. Wir würden doch glatt noch mal ein paar 100 FrauenbeauftragtInnen einstellen. (weiterlesen…)
